"Reicht meine Milch?" Ganz bestimmt!

Viele Frauen machen sich bereits in der Schwangerschaft große Sorgen, dass ihre Milch nicht reichen könnte. Warum diese Sorgen in den meisten Fällen völlig unbegründet sind könnt ihr im folgenden Beitrag lesen.

Eine der wohl häufigsten Fragen, die einem als Stillberaterin aber auch in vielen Mama-Foren und Baby-Gruppen begegnet ist "Reicht meine Milch?" Woher kommt diese Unsicherheit der Frauen? Sollte Stillen nicht das natürlichste der Welt sein? Sollte man als gesunde Frau nicht erst einmal davon ausgehen, dass man sein Neugeborenes ernähren und versorgen kann, wie es von der Natur vorgesehen ist? JA! Über 95 % der Frauen könnten ihr Baby nur durch ihre Muttermilch ernähren. Ein Kind, das nach Bedarf gestillt wird, reguliert die Milchproduktion allein durch die Nachfrage.


Anders als beim Flasche geben, kann man beim Stillen allerdings die getrunkene Milchmenge nicht überprüfen. Dies verunsichert viele Mütter zunächst. Vor allem am Anfang kann man häufig noch nicht einschätzen, ob das Baby nach einer Stillmahlzeit noch hungrig ist, wann es evtl. wieder hungrig sein könnte und ob es denn nun genügend Milch bekommen hat um gut zu gedeihen.


Aber auch ohne genaue Anzeige der getrunkenen Milliliter, gibt es einige Hinweise, die dafür sprechen, dass das Baby genügend Muttermilch bekommt.


1. Das Baby ist zufrieden nach dem Stillen

Ein hungriges Baby erkennt man meist daran, dass es angespannt und unruhig ist, seine Fäustchen in den Mund nimmt und eine suchende Mundbewegung macht. Aus anfangs leichten Geräuschen wird nach kurzer Zeit meist lautes und ungeduldiges Schreien. Um gar nicht erst diese stressige Situation aufkommen zu lassen, sollte ein Baby möglichst bereits bei den kleinsten Hungerzeichen angelegt werden.

Wenn das Baby dann genügend gesättigt wurde während der Stillmahlzeit ist es üblicherweise entspannt und zufrieden, lässt meistens von alleine die Brust los, oder schläft sogar an der Brust ein.


2. Ausreichende Anzahl Urinwindeln

In den ersten Lebenstagen bekommt das Neugeborene nur das Kolostrum (die Vormilch), sodass der Urin noch recht wenig ist, aber täglich mehr wird. Zur Zeit des Milcheinschusses zwischen dem 2. und 6. Tag sollte das Neugeborene etwa 3-4 nasse Einwegwindeln oder 4-5 nasse Stoffwindeln in 24 Stunden haben. Circa ab dem 7. Lebenstag sollten es mindestens 4-6 nasse Einwegwindeln oder 6-8 nasse Stoffwindeln sein. Der Urin des gesunden Neugeborenen ist farblos und geruchlos.


3. Stuhlgang

In den ersten drei Lebenstagen findet sich das dunkelgrün bis schwarz gefärbte, zäh-klebrige Kindspech (Mekonium) in der Windel des Neugeborenen. Zur Zeit des Milcheinschusses zwischen dem 2. und 6. Tag wird der Stuhlgang häufiger und von der Konsistenz her breiig und farblich geht er langsam ins gelbe. Ab dem 7.Tag sollte ein voll gestilltes Kind ockergelben Stuhlgang in breiiger bis flüssiger Form ausscheiden und dies mindestens 3-5 mal innerhalb von 24 Stunden. Ab der circa 4.-6. Lebenswoche verändert sich die Häufigkeit des Stuhlgangs je nach Baby. Jetzt ist Stuhlgang zwischen mehrmals täglich und allen 10-14 Tagen völlig in Ordnung, soweit es dem Kind gut geht, es weiterhin genügend Urinwindeln gibt und keine Anzeichen für eine Verstopfung bestehen.


4. Gewichtszunahme und Wachstum des Kindes

Einer der deutlichsten und auch wichtigsten Anhaltspunkte für die ausreichende Nahrungsaufnahme voll gestillter Kinder ist deren Zunahme und Wachstum.

In den ersten Lebenstagen ist eine Abnahme des Neugeborenen völlig normal. Sie trinken in der Zeit nur das Kolostrum, scheiden aber eine große Menge Kindspech zeitgleich aus. Die Abnahme sollte nicht mehr als 10 % des Geburtsgewichtes betragen. Bereits ab etwa 7 % Abnahme kann durch eine Stillberaterin oder eine gut ausgebildete Hebamme positiv auf das Stillmanagement eingewirkt werden.

Nach dem Milcheinschuss sollte das Gewicht des Kindes langsam wieder ansteigen, sodass es spätestens um den 10.-14. Lebenstag sein Geburtsgewicht wieder erreicht hat.

Im Anschluss nehmen gesunde voll gestillte Babies in den ersten 2 Monaten durchschnittlich 170-330 Gramm pro Woche zu. Sie sollten mindestens 140 Gramm in der Woche zunehmen. Andernfalls spricht man von einer Gedeihstörung, die mit einer Stillberaterin, einer gut ausgebildeten Hebamme oder dem Kinderarzt näher angeschaut werden sollte.

Im dritten und vierten Monat nimmt das Kind noch durchschnittlich 110-330 Gramm pro Woche zu, im fünften und sechsten Monat circa 70-140 Gramm wöchentlich.

Wichtig zu wissen ist für die Eltern, dass man ein Neugeborenes beim Stillen nicht überfüttern kann. Es gibt Kinder die unheimlich oft und / oder sehr lange trinken. Jedes Stillen nach Bedarf des Kindes ist dabei in Ordnung. Auch wenn Stillkinder häufig die ersten Monate übergewichtig aussehen und Speckröllchen haben, ist das absolut okay. Ein bisschen mehr auf den Rippen in dem Alter ist sogar hilfreich um die ersten Erkältungen und Krankheiten gut zu überstehen.


Folgende Anzeichen sind hingegen kein Hinweis für zu wenig Milch der Mutter:

  • Wenig Milch in den ersten Tagen nach der Geburt. Ein Neugeborenes hat einen so kleinen Magen, dass winzige Mengen Kolostrum absolut ausreichen, um dem Baby genug Muttermilch zukommen zu lassen. Der Milcheinschuss kann 3-6 Tage auf sich warten lassen und wird teilweise durch die Mütter nicht einmal bemerkt.

  • Die Brüste sind nicht immer gleichbleibend prall. Die Festigkeit verändert sich im Laufe der Schwangerschaft und im Laufe der Stillzeit. Dies ist kein Zeichen dafür, dass nicht (mehr) genügend Milch produziert wird.

  • Das Kind trinkt extrem oft und / oder extrem lange an der Brust. Jedes Stillkind trinkt anders. Es gibt Babies, die nur alle 3-4 Stunden oder sogar seltener an die Brust wollen und dann sogar in wenigen Minuten gesättigt sind. Andere Kinder möchten zeitweise jede halbe Stunde trinken und brauchen gefühlt stundenlang. Alles zwischen 6 und 20 mal Stillen in 24 Stunden ist die ersten Wochen und Monate völlig in der Norm. Und es gibt auch sogenannte Clusterphasen, in denen die Babies fast durchgehend mehrere Stunden an der Brust trinken. Diese Phasen kommen typischerweise abends vor und verunsichern viele Mütter. Es ist jedoch ein normales Verhalten. Zum einen suchen viele Babies die Nähe, zum anderen bestellen sie durch das viele Saugen weitere Milch. Und auch Wachstumsschübe können dafür sorgen, dass ein Baby plötzlich öfter an die Brust möchte oder evtl. von heute auf morgen beide Seiten leer trinkt.

  • Die Mutter spürt den Milchspendereflex nicht. Auch dies ist völlig normal. Einige Mütter spüren ein leichtes Ziehen in der Brust, sobald der Milchspendereflex ausgelöst wird und die Milch kommt. Andere spüren dies in der gesamten Stillzeit nicht.

  • Das Baby ist allgemein sehr unruhig und unzufrieden. Auch dies ist kein sicheres Zeichen dafür, dass es Hunger hat und zu wenig Milch bekommt. Es gibt viele weitere Gründe dafür, warum ein Baby unruhig ist. Sollte die Unzufriedenheit aber mit dem Stillen in Verbindung stehen, kann eine Stillberaterin sich das Stillmanagement einmal näher anschauen, um auszuschließen, dass das Kind aufgrund von Hunger, einer nicht geeigneten Anlegeposition oder Schmerzen unzufrieden ist.

  • Das Baby weint sehr viel am Abend und möchte in dieser Zeit vermehrt an die Brust. Auch dies ist ein Verhalten, dass nichts mit dem Stillen an sich zu tun hat. Vielmehr verarbeiten Babies gerade Abends häufig den Tag, brauchen manchmal auch einfach ein paar Wochen um richtig in der Welt anzukommen. Teilweise handelt es sich auch um sogenannte Regulationsstörungen, die ebenfalls mit einem Fachmann besprochen werden können. Zu wenig Milch ist hingegen eigentlich nie der Grund für abendliche Schreiphasen.


Wenn du den Verdacht hast, dein Kind bekommt zu wenig Muttermilch oder du sonstige Fragen rund um das Thema Stillen hast, meld dich gerne bei mir. Ich freue mich, wenn ich helfen kann.






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